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Der Brennpunkt im Mittelmeer: Unter der Caldera braut sich etwas zusammen

Vulkane, Plattenverschiebung, Erdbeben: Santorini ist ein Brennpunkt tektonischer Kräfte. Ein Blick auf das Geschehen unter der Erdkruste.
Ein Beitrag von Ellen Ivits

Santorini, auch als Santorin oder Thera bekannt, ist eine faszinierende Vulkaninsel in der griechischen Ägäis. Doch sie wird immer wieder von Erdbeben erschüttert.

Warum Santorini zum Epizentrum von Erdbeben wird, erklärt die geografische Lage des Inselarchipels. Einst ließen gewaltige Eruptionen eine Caldera entstehen, eine kesselförmige Vertiefung der Planetenoberfläche. Ihr westlicher Rand versank teilweise im Meer. Übrig blieben mehrere kleinere Inseln und eine sichelförmige Hauptinsel mit beeindruckenden Steilküsten, die bis zu 300 Meter tief in die Caldera abfallen.

Die Bewegungen der Erdplatten

Gemeinsam mit den Vulkaninseln Milos und Nisyros bildet Santorini einen Inselbogen hinter der ägäischen Subduktionszone, die südlich von Kreta verläuft. Hier schiebt sich die Afrikanische Platte unter die Europäische Platte, auch Eurasische Platte genannt.

Die Afrikanische Platte bewegt sich dabei stetig nach Norden und trifft auf die Europäische Platte. Diese Kollision hat in der Vergangenheit unter anderem die Alpen aufgetürmt und erzeugt heute große Spannungen entlang der Plattengrenzen.

Heißes Magma steigt aus dem Erdmantel auf

Gleichzeitig treffen am Mittelatlantischen Rücken die Nordamerikanische Platte und die Eurasische Platte aufeinander. Doch anstatt zu kollidieren, driften sie auseinander. Der Grund dafür liegt tief unter der Erdkruste: Heißes Magma steigt hier aus dem Erdmantel auf, kühlt ab und bildet dabei ständig neue Gesteinsschichten.

Dieser Prozess, auch Seafloor-Spreading genannt, führt dazu, dass sich die beiden Kontinentalplatten immer weiter voneinander entfernen. Das treibt die Eurasische Platte auf die Afrikanische Platte zu. Die nach Osten gerichteten Kräfte erzeugen in Mitteleuropa im Untergrund ein Spannungsfeld, welches die Nordwärtsbewegung der Afrikanischen Platte erheblich hemmt.

An der Afrikanischen Platte hängt zudem ein Fortsatz, Adriatischer oder auch Apulischer Sporn genannt, der sich in die Eurasische Platte schiebt.

Ständige Bewegung in der Mittelmeerregion lösen Erdbeben aus

Im Bereich des Apulischen Sporns, der auch als Apulische Platte bezeichnet wird, verstärken diese Kräfte den Druck auf die Erdkruste erheblich. Dies führt zu einer ständigen Bewegung und Verformung des Untergrunds in der Mittelmeerregion. Entlang der Plattengrenzen, wo die Erdkruste durch tektonische Bewegungen unter Spannung steht, kommt es infolgedessen zu Erdbeben.

Doch nicht alle Regionen an diesen Plattenrändern sind gleich stark gefährdet. Während in Gebieten wie Zentralitalien schwere Erdbeben häufiger auftreten, gibt es andere Regionen, in denen täglich Hunderte kleinere Beben registriert werden. Dies ist zum Beispiel in der Schweiz der Fall. Diese schwachen Erschütterungen (unter Magnitude 2) helfen dabei, Spannungen im Untergrund allmählich abzubauen, ohne größere Beben auszulösen.

Fünf mächtige Erdbeben-Cluster rund um Santorini

In der Ägäis führt die Driftbewegung der Erdplatten hingegen zu häufigen Erdbeben über der Magnitude 2. Die Erdbeben in Griechenland und der Ägäis werden von der Seismologischen Station der Aristoteles-Universität Thessaloniki (AUTH) registriert und analysiert. Aus den täglich aktualisierten Daten lassen sich fünf Cluster identifizieren, in denen sich Erdbeben besonders häufen.

Der mächtigste Cluster liegt im über 1.000 Meter tiefen Becken nördlich des kretischen Inselbogens. Hier treten besonders häufig seismische Aktivitäten auf. Die zweitgrößte Erdbebenhäufigkeit weist eine Region südlich der Inseln Karos und Amorgos auf. Ein etwas schwächerer Cluster befindet sich am Rand des ägäischen Schelfbereichs, direkt südlich von Santorini. Der schwächste Cluster bildet sich im Zentrum der Santorini-Caldera und reicht bis in den nordöstlichen Bereich der Hauptinsel Thera. Dies entspricht der klassischen Lage der Santorini-Vulkane.

Erdbeben bei Santorini folgen dem Drift der anatolischen Platte

Nordöstlich von Santorini, im Bereich des Kolumbo-Vulkans, nimmt die seismische Aktivität wieder zu. Dieser Vulkan reicht von einer Meerestiefe von über 400 Metern bis fast an die Wasseroberfläche heran.

Die Erdbeben in der Region folgen deutlich einer Südwest-Nordost-Ausrichtung. Sie folgen weitgehend den Vektoren, die die Drift der anatolischen Platte anzeigen. Der klassische vulkanische Inselbogen, der sich entlang der Kontur der abtauchenden Afrikanischen Platte erstreckt, spielt somit eine geringere Rolle als lange angenommen. Stattdessen richtet sich der Vulkanismus zunehmend entlang jener Störungszonen aus, die durch die Bewegung der Anatolischen Platte entstehen, wodurch Magma aufsteigt und die Vulkane des Inselbogens speist.

Zuerst erschienen auf t-online.de
Ellen Ivits ist Ressortleiterin Panorama und Klima

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