Mittlerweile haben sich 1,6 Millionen Syrer dazu entschlossen. Das darf nicht spurlos an der deutschen Debatte vorbeigehen.
Ein Kommentar von Thomas Jansen
Die UN-Statistik zu den Syrien-Rückkehrern sollten sich deutsche Migrationspolitiker zu Herzen nehmen:
Aus der Türkei, aus Libanon und Jordanien kehrten seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 knapp 1,6 Millionen Syrer zurück, aus Deutschland nur 6100.
Diese drei Staaten taugen nicht zum Vorbild. Aber eins lässt sich doch festhalten: Während es hierzulande vor allem SPD, Grüne und Linke für kaum zumutbar halten, Syrer in ihre Heimat zurückzuschicken, muten sich viele Syrer einen Neuanfang in ihrem zerstörten Land sehr wohl zu.
Dabei spielen die feindselige Stimmung in der Bevölkerung des Aufnahmelandes, fehlende Arbeitsmöglichkeiten und eine oft desolate Unterbringung und Verpflegung eine Rolle.
Für viele Syrer ist eine Rückkehr daher nur das kleinere Übel. Aber systematisch vertrieben werden sie aus diesen drei Staaten nicht. Da muss die Frage schon erlaubt sein, ob die deutsche Debatte über die Rückkehr von Syrern weiter um die Erlaubnis von Erkundungsreisen kreisen sollte.
Die Rückkehrzahlen aus den Nachbarstaaten erscheinen hoch. Allerdings gab es allein in der Türkei zeitweilig mehr als drei Millionen Syrer.
Im Verhältnis dazu sind die 640.000, die bisher zurückgekehrt sind, noch weit entfernt von jenen achtzig Prozent in drei Jahren, wie sie nach dem Treffen von Friedrich Merz und dem syrischen Machthaber al-Scharaa in die Welt gesetzt wurden. Diese Quote ist, auch das lehrt die Statistik, selbst für Nachbarstaaten Syriens kaum zu schaffen.
Zuerst erschienen auf faz.net
Thomas Jansen, seit Oktober 2018 in der F.A.Z. als Redakteur in der Nachrichtenredaktion, im Oktober 2024 Wechsel ins „Zeitgeschehen“, seitdem auch zuständig für die Seite „Politische Bücher“
